Datum/Zeit
Date(s) - 22/05/2021
15:30 - 18:30

Kategorien


Täterschutz und sexistische Gewalt beenden-
in Bethel, Bielefeld und überall
Samstag 22.05. 15:30 Uhr
Start: Bielefelder Kesselbrink, über Rathaus, Landgericht Endkundgebung Kesselbrink
In diesem Text geht es um die aktuellen Vorfälle sexualisierter Gewalt im evangelischen Klinikum Bethel. Nach einem ersten Informationstext gehen wir auf unsere Forderungen und Details zur Demonstration ein. 
Eine Gruppe von Bielefelder Feminist*innen reagiert auf die aktuellen Geschehnisse im evangelischen Klinikum Bethel. Dort hat ein Assistenzarzt über Monate hinweg Patient*innen narkotisiert und vergewaltigt. Der Täter filmte seine Taten. Als Betroffene dem Klinikpersonal die Narkotisierung und anschließende Beschwerden berichten, werden sie zunächst nicht ernst genommen. Erst spät untersagt die Klinikleitung dem Täter den Einsatz des Narkotikums und ermöglicht durch diese Verzögerung mutmaßlich mindestens eine weitere Tat. Suspendiert wird der Assistenzarzt nicht. 
Eine Betroffene zeigt den Täter wegen gefährlicher Körperverletzung an, woraufhin die Polizei erst sieben Monate später dessen Wohnung durchsucht und dabei rund 80 Beweisvideos der Taten findet.
Der Täter wird anschließend verhaftet und begeht Suizid. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft stellt daraufhin die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Täters über die Rechte der betroffenen Personen und informiert diese bis heute nicht. Eine Betroffene erfuhr gar aus der Presse erstmalig von der Vergewaltigung. Mehrere Betroffene haben nun den Chefarzt wegen Beihilfe durch Unterlassen angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur Vergewaltigung durch Unterlassen gegen den Chefarzt, den Oberarzt und die Leitung der Bethel gGmbH.
Es kann nicht sein, dass die Reputation des Täters über dem Recht auf Information der Betroffenen steht. Wir prangern an, dass zu spät und nicht ausreichend von Oberarzt und Klinikleitung interveniert wurde!  Die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft betreiben bis heute Täterschutz. Die bis heute nicht informierten Betroffenen bekommen nicht die Möglichkeit sich juristisch zu wehren. 
Die Taten in Bethel sind kein Einzelfall. Sie entstehen in einer sexistischen Gesellschaft, in der Männer immer noch lernen, dass sie einen Anspruch auf Frauen und ihre Körper haben. Sie entstammen einer Kultur, in der Weiblichkeit und die mit ihr verbundenen Attribute abgewertet werden und eine gravierende Frauenfeindlichkeit herrscht. Die MeToo-Bewegung hat skandalisiert, dass die Missachtung von Frauen und ihrer körperlichen und sexuellen Selbstbestimmung Alltag ist — in Institutionen, auf dem Arbeitsplatz, im Privaten und auf der Straße. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet, weil sie eine Frau ist. 
Wir sagen: Es reicht! Die Gewalt muss ein Ende haben!
Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Fälle! 
Wir fordern die sofortige Informierung der Betroffenen durch die Staatsanwaltschaft!
Wir fordern, dass jene, die Täterschutz betreiben, zur Verantwortung gezogen werden und dass Konsequenzen folgen! 
Wir fordern in Bethel, Bielefeld und überall: 
Instituationalisierte Gewalt beenden! 
Etablierung von Schutzkonzepten, um sexueller Gewalt präventiv entgegen zu wirken!
Täterschutz-Strukturen aufdecken und aufbrechen in Kliniken, Polizei, Staatsanwaltschaft und überall!
Unsere Körper gehören uns! Wir fordern unser Recht auf Selbstbestimmung ein! Heute,  morgen und an jedem anderen Tag! Dafür gehen wir am 22.05. auf die Straße und laden alle ein sich unserem Protest anzuschließen.