Kommt am 21.4. um 18:30 in der Bürgerwache vorbei, es wird spannend! Es geht mit Ell Rutkat um Genitalflüssigkeiten und Geschlecht:
Genitalflüssigkeiten sind eingebunden in gesellschaftliche Machtgefüge von heteronormativer, cisgeschlechtlicher, biologisch fundierter Zweigeschlechtlichkeit: Ein Geschlecht zu sein bedeutet nicht nur einen bestimmten, geschlechtlich codierten Körper haben zu müssen, sondern auch spezifische somatische Reproduktionsfähigkeiten zu erfüllen, wie z.B. die Fähigkeit zur Ejakulation oder Menstruation. Genitalflüssigkeiten, die als weniger oder gar nicht relevant für die Fortpflanzung gelten, wie z.B. Ausfluss, Schleim, vulvovaginale Lubrikationsflüssigkeit oder Squirtflüssigkeit, stören etablierte binäre Kategoriesysteme.
Ell Rutkat untersucht das Zusammenspiel von körperlicher Materie, hegemonialen und alternativen Bedeutungen von Geschlecht und (sexuellen) Praktiken mit Squirt- und anderen Genitalflüssigkeiten in erlebensbezogenen Interviews mit trans* und cis Frauen, transmaskulinen, nicht-binären und agender Personen. Ell geht der Frage nach: Wie hängt das Erleben von Genitalflüssigkeiten mit dem Erleben von Geschlecht zusammen? Wie konstituieren sich Körper und Geschlecht im Zusammenspiel mit dieser (zäh-)flüssigen Materie? Wie zeigen sich multiple Konsistenzen von Genitalflüssigkeiten und Geschlecht?
Dabei geht es auch um die Beteiligung von Materie am kontinuierlichen, prozessualen Werden von Körpern und Geschlecht. Diese neomaterialistische, erlebensbezogene Konzeption von Körpern und Geschlecht als intra-aktives und prozessuales Werden sucht Antworten auf Debatten zwischen den Queer und Trans Studies. Körper und Geschlecht werden aus hegemonialen Fixierungen und Naturalisierungen gelöst und an Alltagsrealitäten, Erleben und konkreten Erfahrungen angebunden.
Ell entwickelt eine Theorie der multiplen Aggregatszustände von Geschlecht, die von den unterschiedlichen Konsistenzen von Genitalflüssigkeiten ausgeht und diese auf die multiplen Erlebensweisen von Geschlecht anwendet und damit sowohl die Materialität als auch die Fluidität von Geschlecht einschließt.
Die Veranstaltung wird organisiert vom Fem*Ref an der Uni Bielefeld.



