Datum/Zeit
Date(s) - 30/08/2019
17:00 - 22:00

Veranstaltungsort
Ravensberger Park

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Nehmen was uns zusteht! – Wohnraum für alle und Freiraum zum leben

Steigende Mieten, Lehrstand durch Immobilienspekulation, unsinnige Neubaupolitik der Städte und die Privatisierung öffentlicher und kultureller Räume – deutschlandweit wird die Entwicklung der Wohnraumsituation immer prekärer. Längst wird sich damit abgefunden, dass Menschen dem Wohnungsmarkt weichen müssen. Wohnungen als Kapitalanlagen sind profitabler als Wohnraum für Menschen. Hierfür wird bezahlbarer Wohnraum kaputt gespart, bis die Mieter*innen für Luxussanierungen entmietet und (zwangs-)geräumt werden können. Über Jahre erkämpfte kulturelle, politische und soziale Freiräume werden durch ständige Repressionen massiv unter Druck gesetzt und bedroht.

Auch in Bielefeld sind die Auswirkungen kapitalistischer Frei- und Wohnraumpolitiken zu spüren. Seit 2010 sind die Mieten in Bielefeld um durchschnittlich 20% gestiegen. Am stärksten von Mieterhöhungen betroffen sind gerade die Wohnungen im niedrigen Mietpreisbereich. Die Stadt Bielefeld trägt ihren Teil dazu bei, indem sie in den letzten Jahren zahlreiche Immobilien verkauft und die öffentliche Förderung für sozialen Wohnraum stark reduziert hat. In den letzten 10 Jahren ist der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen um 19% geschrumpft. Die Probleme hat die Stadt nun auch erkannt, die Lösungen bleiben aus.

Symptomatisch für fehlenden Wohnraum steht die Debatte um die Neunutzung des Telekom-Hochhauses. Über Jahre wurde darauf gehofft, dass dort dringend notwendiger Wohnraum unter anderem für die steigende Anzahl der Studierenden geschaffen wird. Stattdessen wurde festgestellt: Bedarf macht noch lange keinen Umsatz. Zwar hat sich endlich ein Privatinvestor dazu bereit erklärt, den Leerstand beseitigen zu wollen, aber auch hier zeigt sich, dass das Verfolgen von Privatinteressen nicht mit dem Allgemeininteresse zusammenfällt. Schon die ersten Entwürfe waren nicht darauf ausgelegt, der prekären Wohnraumsituation Bielefelds Abhilfe zu leiten, mittlerweile stehen aber selbst Luxuswohnungen nicht mehr in Aussicht. Die Nutzung als Büroräume scheint besiegelt zu sein.

Wenigstens hat die Polizei Grund zur Freude: mit den Plänen, das Telekom-Hochhaus in einen Festungsturm der Exekutive zu verwandeln, hat Saurons Auge endlich ungehinderten Blick auf das tägliche Leben in den Straßen Bielefelds.
Die Dystopie in alltäglichem Leben ins Visier der Polizei zu geraten ist für viele marginalisierte Gruppen aber schon heute Realität. Ein alles überblickender Polizei-Tower verspricht für viele keine Sicherheit, sondern ist eine konkrete Bedrohung. Wer mit rassistischen Polizeikontrollen zu rechnen hat, empfindet den öffentlichen Raum nicht mehr als Freiraum. Genauso werden Obdachlose durch Kontrollen und Schikanen aus den Stadtbildern gedrängt. Diese Gesellschaft tut ihr Übriges und verwandelt den öffentlichen Raum nicht selten in Räume, in denen Frauen sich nur in Gruppen wohl fühlen und queere Menschen sich möglichst unsichtbar machen.

Ohnehin ist was sich heutzutage als „öffentlicher Raum“ präsentiert auch nur ein schlecht retuschierter Marktplatz. Draußen unterwegs zu sein, heißt vor allem, Geld auszugeben. Offiziell wird zwar kein Eintritt verlangt, ohne Konsum kommt man allerdings auch nicht weit. Soziale Isolation ist die Folge.
So droht Volksbank-Chef Thomas Sterthoff bereits damit, den Kesselbrink in einen Ort zu verwandeln, an dem sich „die Menschen“ gerne aufhalten werden. Aber was für die Volksbank ein Traum ist, ist für andere ein Alptraum. Denn wenn man sich auf dem Kesselbrink umschaut, wird klar: Menschen halten sich dort bereits gerne auf. Für die Volksbank sind es wohl nicht die richtigen. Der Kesselbrink soll nicht zu einem Kiez für Menschen, sondern zu einem Ort der Zahlungsfähigen werden. Wer sich das nicht leisten kann, dem weist die unsichtbare Hand des Marktes den Weg: Raus aus der Stadt.

Am 30.08. werden wir deshalb den öffentlichen Raum für uns in Anspruch nehmen. Wir nehmen uns den Freiraum der uns zusteht und fordern den Wohnraum den wir brauchen.

Kommt zum Rave im Ravensberger Park, bringt alle eure Freund*innen mit, seid laut und stört!

Djs:
Boi de Ouro (Süperstructure)
Christina Grincenko b2b Greyscale (raussens,nulectric)
Danny Crane (Club!Ajz)