Karte nicht verfügbar

Datum/Zeit
Date(s) - 09/11/2018
18:00 - 20:00

Veranstaltungsort
Jahnplatz

Kategorien Keine Kategorien


Gedenken heißt kämpfen!

Aufruf zur antifaschistischen Gedenkdemonstration

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannte die Synagoge in der Bielefelder Turnerstraße. Nationalsozialist*innen zündeten sie in einer organisierten Aktion an. Weder die Feuerwehr noch Anwohner*innen löschten den Brand, sondern ließen die Synagoge, sowie das Gemeindehaus vollständig abbrennen. Zeitgleich wurden im gesamten Stadtgebiet jüdische Geschäfte angegriffen und zerstört. In den folgenden Tagen verhaftete die Polizei zahlreiche Bielefelder Jüd*innen und deportierte sie ins Konzentrationslager Buchenwald. Der antisemitische Hass entlud sich im gesamten Deutschen Reich und äußerte sich in der Ermordung von mehr als 400 Jüd*innen, der Zerstörung von mehr als 1.400 Synagogen, der Verwüstung und Plünderung von etwa 7.500 jüdischen Geschäften und Wohnhäusern sowie der Verhaftung und Deportation von über 30.000 Jüd*innen. Die unfassbaren Gewaltaktionen werden heute als Novemberpogrome bezeichnet und markieren den Übergang von der Diskriminierung und Entrechtung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung jüdischer Menschen. Die 1924 in Bielefeld geborene Helga Ravn erinnert sich: „… von da an wurde das Leben für uns Juden mehr und mehr unerträglich“.

Heute, 80 Jahre später, bezeichnet Alexander Gauland die Zeit des deutschen Faschismus mit der damit einhergehenden Ermordung von über 6 Millionen Jüd*innen, der Verfolgung politischer Gegner*innen und den brutalen Angriffskriegen „als Vogelschiss in der Geschichte“. Das Mahnmal für die Opfer der Shoah bezeichnet sein Parteifreund Björn Höcke als „Denkmal der Schande, welches sich das deutsche Volk in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“ und fordert eine „180-Grad-Wende der deutschen Erinnerungskultur“. Die AfD, aus der solche Aussagen kommen, hat aktuell laut Umfragen von Infratest dimap 18 Prozent der deutschen wahlberechtigten Bevölkerung hinter sich hat. In Deutschland findet ein Rechtsruck statt, der sich nicht nur in allen Parteien und in den Parlamenten ausdrückt. Brennende Unterkünfte für Geflüchtete oder die rassistische Ausschreitungen wie zuletzt in Chemnitz, bei denen vermeintlich Nicht-Deutsche durch die Straßen gejagt wurden und ein jüdisches Restaurant angegriffen wurde, sind Ausdruck der reaktionären Entwicklungen dieser Gesellschaft. Im Fahrwasser der nationalistischen Mobilmachung der sogenannten „Mitte“ erfahren auch Nationalsozialist*innen alter Schule wieder Aufwind. Schulter an Schulter mit „besorgten Bürger*innen“ marschieren sie durch die Straßen, mit dem Gefühl, dass ihr Zeit gekommen sei und ihre menschenverachtende Ideologie endlich wieder Gehör findet.

Um die Verbrechen ihrer politischen Vorfahren zu relativieren und ihre Ideologie der Vernichtung wieder salonfähig zu machen, leugnen Anhänger*innen des Nationalsozialismus die historische Tatsache der Shoah. Die vielleicht populärste Vertreterin dieser Lüge ist die seit Mai 2018 in Bielefeld-Quelle inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Mit ihren Äußerungen über die Vernichtungslager des Deutschen Reiches findet sie zahlreiche Sympathisant*innen im faschistischen, antisemitischen und verschwörungstheoretischen Milieu in Deutschland und darüber hinaus. Der deutsche Faschismus mit der industriellen Vernichtung von Menschen in Tötungsfabriken ist ein in dieser Form einzigartiges und grausames Verbrechen und kann durch nichts relativiert oder in Abrede gestellt werden!

Am 08. November feiert Ursula Haverbeck ihren Geburtstag. Wir hingegen feiern Georg Elser. Am 8. November 1939 versuchte er durch eine Bombe Adolf Hitler und die Führungsriege des Nationalsozialismus bei einer Propagandaveranstaltung im München zu beseitigen, was ihm leider nicht gelang. Wenn wir den Opfern des Faschismus gedenken, wollen wir auch an die Menschen erinnern, die versucht haben, den Faschismus zu verhindern oder ihm ein Ende zu setzen. So leisteten beispielsweise 13 Bielefelder Arbeiter der Dürkopp- und Bentelerwerke Widerstand gegen den Faschismus und wurden wie insgesamt 50 weitere Bielefelder*innen wegen Hochverrat und Widerstand verurteilt und ermordet.

Am 10. November 2018, fast auf den Tag genau 80 Jahre nach der Reichspogromnacht, wollen Faschist*innen durch Bielefeld marschieren und sich mit der Holocaustleugnerin und Antisemitin Ursula Haverbeck solidarisieren. Unser Gedenken kann nur mit der kompromisslosen Forderung verbunden sein: Nie wieder! Das bedeutet, wir müssen uns organisieren, auf die Straße gehen und kämpfen, gegen Rechtsruck, Nationalismus und Faschismus. Es liegt an uns, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und uns auch heute Faschist*innen in den Weg zu stellen.

Wir rufen daher auf:

9. November: Antifaschistische Demonstration mit anschließendem Gedenken um die Opfer des Faschismus nicht zu vergessen.
10. November: Naziaufmarsch verhindern!

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Schwur von Buchenwald.

Gedenken heißt Kämpfen!

 

Mehr Infos:

antifabuendnisbielefeld.noblogs.org

#bi1011