Datum/Zeit
Date(s) - 14/06/2022
18:00 - 20:00

Veranstaltungsort
Universität Bielefeld H8

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Es ist erstaunlich, wie friedlich die Welt seit Russlands Angriff auf die Ukraine auf einmal gewesen sein will. Alle schwatzen von „unvorstellbaren Ereignissen“ und phantasieren eine pazifistische Grundstimmung herbei, in der „wir“ uns in der Vergangenheit gemütlich eingerichtet hätten und die sich nun als trügerisch erwiesen habe. Ein Crashkurs Friedensmilitarismus folgte und wurde mit Bestnoten absolviert.

Nicht weniger erstaunlich scheint daher, dass der Krieg den Realitätsverlust gerade der Linken provoziert hat, die die Welt nach dem Kalten Krieg nicht für friedlich gehalten hat. Allerdings hat sie dieser Weltordnung zunehmend begriffslos gegenüber gestanden und immer zwanghafter versucht, das Gewaltpotential der internationalen Ordnung des Kapitals allein in Expansionsabsichten des „imperialistischen Westens“ dingfest zu machen. Ganz so, also als gäbe es noch irgendwelche Flecken dieser Erde, auf die sich das Kapital noch ausbreiten könnte. Versuche, die gesellschaftliche Gewalt anders als in stereotypen antiimperialistischen Kategorien zu begreifen, gab es hingegen selten, und sie haben auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dementsprechend orientierungslos rettet die Linke sich nun wahlweise in den hiesigen Friedensmilitaismus oder klammert sich direkt an die russischen Opfermythen.

Dagegen wird der Kapitalismus im Vortrag so skizziert werden, dass dasim 1. Weltkrieg vollzogene Ende der imperialistischen Epoche nicht als das Ende der Geschichte erscheint, das seither immer nur wiederholt
wird.