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Date(s) - 23/07/2020
19:00 - 21:00

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Die „Corona-Krise“, hieß es seit deren Beginn an jeder Ecke, werde sehr
viel größer werden als die Finanzmarktkrise von 2007/08, und tatsächlich
lassen sich den Statistiken für das zweite Quartal 2020 sehr viel höhere
Umsatzrückgänge entnehmen. Sehr viel sagt das allerdings noch nicht,
denn die Krisendiagnose ist äußerst zweifelhaft. Zumindest dann, wenn
„Krise“ nicht einfach ein Synonym für „schlechte Geschäfte“ sein soll,
sondern ein Begriff, der Aussagen über den Bedingungszusammenhang ihrer
Erscheinungen macht. Hier gleicht sich kaum etwas. Die staatlich
verfügte Stilllegung großer Teile der Produktion, die die ökonomischen
Folgen der Pandemie zu deren Beginn nahezu überall bestimmte, folgte
ganz anderen Zwangslagen und drohte daher auch nicht mit krisentypischen
Entwertungsschocks. Dies trifft auch auf die Produktionsausfälle zu, die
mancherorts marktvermittelt auf die ignorante „Wiedereröffnung der
Wirtschaft“ gefolgt sind.
Dem entsprechend sind auch die politischen Maßnahmen mit anderen
Kriterien zu beurteilen als etwa diejenigen, die 2007ff. zum Einsatz
kamen. Auch wenn es sich teilweise um die gleichen handelt: Sie wirken
anders, sobald es nicht darum geht, Entwertung zu vermeiden, sondern
darum, an sich verwertbares Kapital vor der Pleite zu bewahren.
Was wiederum sehr schnell nicht mehr allen wünschenswert erschien. Die
Imperative des Lockdowns unterscheiden sich von denen der Exit-Debatte
nicht nur, weil letztere den Ausweg aus ersterem weisen sollte. Vielmehr
sind sie sehr schnell grundsätzlich auseinander gefallen. Während die
Imperative des Lockdowns zumeist implizit das Eingeständnis
beinhalteten, dass es in der Konkurrenz auf dem Markt im dem Maß nichts
zu gewinnen gibt, in dem nichts produziert werden kann, wird dies in der
Exit-Debatte offensiv verleugnet. In Deutschland angefeuert von einer
Bewegung, die unter Freiheit das Recht versteht, bei der Arbeit krank zu
werden.
Die Charaktermaskenlosen des Arbeitsfetischs auf der Höhe der Zeit
rebellieren dagegen, dass dieautoritäre Macht, die der
Corona-Ausnahmezustand induziert, nicht krisenhaft spät-, sondern
frühkapitalistischen Wesens ist. Das passt nicht zu ihrem – auf
heroischen Untergang geeichten – Gemütszustand. Weswegen es auch falsch
ist, in den Anti-Corona-Maßnahmen Blaupausen für kommende
Herrschaftsformen zu suchen.
Der Zoom Link wird zeitnah geteilt werden.
Finden könnt ihr ihn in dieser Veranstaltung
https://www.facebook.com/events/301367027738473/