Datum/Zeit
Date(s) - 25/05/2019
19:00 - 22:00

Veranstaltungsort
JZO

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„Wie Mission Lifeline gegen viele Widerstände ein eigenes Schiff ins Mittelmeer brachte, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.“
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Der Dresdner Verein „Mission Lifeline“ (deutsch: Aktion Rettungsleine) begibt sich auf gefährliche Fahrt: Er rettet seit dem Herbst 2017 Flüchtlinge im Mittelmeer. Vereins-Chef Axel Steier: „Im August konnten wir ein 49 Jahre altes Forschungsschiff erwerben“.

Der 42-jährige Steier steht hinter dem Seenotrettungsprojekt. Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe hat er mit der Initiative Dresdner-Balkan-Konvoi gesammelt. Mehr als 30 Hilfskonvois bringen die Dresdner auf die Flüchtlingsrouten des Balkans, bevor der Flüchtlingstrack durch das Hochziehen von nationalen Grenzen und einem Deal der Deutschen Regierung mit der Türkei im März 2016 nahezu versiegt.

Dann die dramatische Wende bei einem der Hilfseinsätze auf einer griechischen Insel: „Im letzten Jahr sind Flüchtlinge vor unseren Augen ertrunken. Wir waren beim Hilfseinsatz in Griechenland und konnten nicht helfen.“

Ein eigenes Schiff sollte her, so lautet der Entschluss. Denn der neue Flüchtlingsstrom führt über das Mittelmeer. Hunderte Flüchtlinge ertrinken bereits in den ersten Monaten 2017 vor der libyschen Küste. Das will Steier verhindern.

Steier startet eine einzigartige Spendenkampagne im Sommer 2016, in deren Verlauf sich mehr und mehr Unterstützer aus Kunst und Kultur, dem öffentlichen Leben, aber auch der Wirtschaft beteiligen. Die Vision eines Schiffs spricht sich in Dresden herum. Mehr als 200.000 Euro kommen bis heute zusammen. Nebenher lernt Steier die Grundlagen der Seefahrt.

Die andere Seite der Medaille: Zuhause in Dresden wettert Lutz Bachmann nun schon drei jahre von Flüchtlingen als „Dreckspack“ und säht mit seiner PEGIDA Bewegung einen Nährboden verbaler Gewalt. Auch Steier und sein Team avancieren zur Projektionsfläche und Zielscheibe. Doch Steier wehrt sich: geht mit Erfolg gerichtlich gegen den bereits wegen Volksverhetzung verurteilten Lutz Bachmann vor. Dieser beschimpft „Mission Lifeline“ öffentlich als eine „kriminell agierende, private Schlepperorganisation“ und als „Gesetzesbrecher“.

Auch das persönliche Leben von Alex Steier ändert sich. Seine Frau wird von PEGIDA Ordnern verfolgt. Anhänger der Rechten Szene bauen ein Bedrohungsszenario auf. Sein Privatleben muss er schützen.

Jetzt ist es Steier trotz aller Widerstände gelungen ein Schiff zu erwerben: Nach all dem Auf und Ab legte die „Lifeline“ Mitte September von Malta aus ab. Dort wurde das Schiff innerhalb weniger Tage ausgestattet für den Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer. „Das wird kein Selbstläufer“, ist sich Axel Steier sicher. Schneller als Gedacht wurde der Vereinsinitiator mit der Realität konfrontiert.

Die Risiken sind groß. Rettungsschiffe anderer Organisationen werden von Milizen beschossen und festgesetzt. Immer wieder werden, statt Menschen gerettet, Leichen geborgen. Steier ist sich dessen bewusst und meint trotzdem: „Für mich kann es sofort losgehen.“

Am 26. September wurde er mit seiner Crew, Mitten im Rettungseinsatz – 20 Seemeilen vor der libyschen Küste, von Milizen beschossen – vor unseren Laufenden Kameras. Denn bei der ersten Mission der Dresdner im Mittelmeer war auch das ravir Filmteam mit an Bord.