Datum/Zeit
Date(s) - 07/06/2022
18:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Universität Bielefeld T2-227

Kategorien


Ankündigungstext:
„Stell dir vor dir würde von einem Tag auf den nächsten die Kontrolle
über dein Leben genommen werden. Viele Entscheidungen, beispielsweise
wann du isst, wann du schläfst, wann du andere Menschen treffen kannst –
und welche anderen Menschen –, ob und welche Bücher du lesen darfst
würden von anderen Menschen für dich getroffen. Stell dir vor, du
würdest gezwungen werden, für einen Tageslohn von rund 8 Euro zu
arbeiten und irgendwer würde dich trotzdem zwingen, einen Teil dieses
Geldes zu sparen.“ (kaos muc)
Das Gefängnis ist eine zentrale Institution des Justizsystems, es wirkt
dabei nicht nur auf Gefangene ein, sondern auf uns alle. Die Drohung
eingesperrt zu werden, lässt uns zweimal nachdenken, bevor wir uns
nehmen, was wir zum Leben brauchen, bevor wir die Regeln der
Herrschenden überschreiten. Denn Knäste sind einer der krassesten
Ausdrucksformen des repressiven Herrschaftsapparates. Sie sichern
Eigentum, Ausbeutung und Unterdrückung.
Daher ist es nur logisch, dass ein Großteil der Eingesperrten wegen
„Eigentumsdelikten“ im Gefängnis sitzen. Wegen Vorwürfen wie Diebstahl
oder ohne Ticket fahren. Ohne ausreichenden Zugang zu für sie notwendige
materielle Güter und Dienstleistungen, werden sie für den Versuch, sich
diese anzueignen, hinter Gitter gebracht. Mehr als ein Drittel der
Eingesperrten sitzen in Deutschland, da sie eine Geldstrafe nicht
bezahlen konnten. Somit ist die Ersatzfreiheitsstrafe eine der
krassesten Ausdrücke der Bestrafung fürs arm sein. Währenddessen
verdient eine ganze Industrie rund um Gefängnisse prächtig daran. Von
überteuerten Dienstleistungen wie Telefonieren im Knast zu Knastarbeit
für Löhne, die eigentlich nur ein Hohn sind. Die gesamtgesellschaftliche
Konditionierung wird uns dabei als Notwendigkeit dargestellt. Nur so
könnte Chaos vermieden werden. Das Argument der Knast wäre nötig um
Gewalt zu verhindern, ist allerdings mehr als fraglich. Selbst das
Justizministerium kam in einer Studie zu der Schlussfolgerung, dass
Haftstrafen gegenüber nicht einsperrenden Strafen, die
Wahrscheinlichkeit eine Gewalttat wieder zu begehen eigentlich erhöhen.
Nicht wirklich erstaunlich, dass ein so gewaltvolles System wie
Gefängnisse, Gewalt eher fördern. Warum also ist ein System, dass die
gewaltvollen Zustände in unserer Gesellschaft eher verschlimmert eine so
zentrale und scheinbar unabdingbare Institution?
Darüber wollen wir mit euch diskutieren und uns fragen, warum gibt es
Knäste, was ist deren Funktion? Wie hängen soziale Konditionierung,
staatlicher Machterhalt und die Idee des Einsperrens zusammen? Und was
sind unsere Utopien einer freieren Gesellschaft?
zu ignite:
ignite! ist ein horizontal organisiertes Kollektiv, das zu feministischen und  herrschaftsfeindlichen Themen Workshops gibt, schreibt und handelt.
 
Wir haben das ignite! Workshopkollektiv Anfang 2019 gegründet und  begann mit einem Einführungsworkshop zu Feminismen und Gender. Seit dem  ist viel passiert und wir bieten nun Workshops zu verschiedensten  politischen Themen an und haben Workshops an verschiedensten Orten im  deutschsprachigen Raum gegeben. Zudem haben wir einige Texte geschrieben  und an weiteren mitgewirkt.
Wir wollen als ignite! emanzipatorische Ideen teilen, vermitteln und  mit euch weiter entwickeln. 
Barrieren:
Coronabedingt ist es eine Voraussetzung für die Teilnahme, dass Menschen sich schnelltesten, bevor sie in die Veranstaltungen kommen. 
Bitte meldet euch außerdem vorher an. Das könnt ihr über die folgende Mailadresse machen: politische-bildung@asta-bielefeld.de
Die Veranstaltungen sind in ihrer Teilnehmer*innenzahl begrenzt.
Zum Workshop sind alle eingeladen.Sie finden in deutscher Lautsprache statt.
Die Wege zu den Räumen sind barrierearm. Tatsächlich sind die Nummerierungen und Wege aber schwer nachvollziehbar. Sagt gern Bescheid, wenn ihr irgendwo abgeholt werden wollt.