Schwarzer Freitag: Filmabend im FAU-Lokal

Wann

26/06/2026    
19:00 - 21:00

Wo

FAU-Lokal
Metzer Straße 20, Bielefeld

Veranstaltungstyp

Kino im FAU-Lokal

Heute: 

Wolz, Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten

DDR 1973 | 106 Minuten, Regie: Günter Reisch, Quelle: DVD. Sprache: deutsch (original).

Den Inhalt des Spielfilms beschreibt Wikipedia so: „Ende des 19. Jahrhunderts. Zu kurzen Einstellungen erzählt aus dem Off eine Sprecherin (Agnes) Kindheit und Jugend von Ignaz Wolz. Ignaz ist ein gutes christliches Kind von armen, aber ehrlichen Eltern. In seiner Vorstellung regiert ein strenger, aber gerechter Gott die Welt. Eines Tages ist Ignaz in einem Marionettentheater, wo eine Aufführung über das Leben von Hauptmann Dreyfus gezeigt wird. Dreyfuss wendet sich an das Publikum: „Mir geschieht Unrecht. Helft Menschen, helft.“ Ignaz ist beeindruckt. Er wird erwachsen. Wolz wird Landvermesser, schließlich Soldat. Im Ersten Weltkrieg hat er an der Westfront ein Schlüsselerlebnis (Agnes aus dem Off: „Die Welt hatte ihre Ordnung – bis zu diesem Tag“). Wolz wird durch Artilleriebeschuss am Oberarm verletzt. In einem matschigen Granattrichter will sein Kumpel Ludwig ihn verbinden, doch der Verbandsmull ist nicht aus Leinen, sondern Papier. Ludwig klärt Wolz auf: Die Mullfabrikanten produzieren lieber „feine Damenmieder“, die mehr Profit als Verbandsmaterial abwerfen. Wolz schwört Rache…“

Die obige Beschreibung bezieht sich lediglich auf die ersten Minuten des Films, der anfangs ein sehr strammes Tempo vorlegt, dass sich dann im weiteren Verlauf etwas entschleunigt. Dass in der DDR ein Film über einen Anarchisten entstehen konnte, ist keine Selbstverständlichkeit, zumal man sich in deutschen Landen (nicht nur in der DDR) stets schwer getan hat mit „Abweichlern“, Dissidenten, Andersdenkenden. Wie der Filmdienst weiß (oder zu wissen glaubt): „Das Drehbuch entstand bereits in den 60er Jahren, Autor und Regisseur brauchten jedoch fünf Jahre, um ihren Film gegen Einsprüche von SED-Funktionären durchzusetzen, die eine Heroisierung des Anarchismus befürchteten.“

„Wolz“: Dahinter verbirgt sich, wie bereits die Namensähnlichkeit verrät, niemand anderes als Max Hölz, der proletarische Robin Hood, der in den revolutionären Kämpfen nach dem Ersten Weltkrieg mit spektakulären Enteignungs- und Guerilla-Aktionen zur Legende wurde . Eigentlich war Hölz gar kein Anarchist, zumindest hat er sich selbst nicht so verstanden. Vielmehr handelte es sich um eine Art „Stigma“, das ihm schließlich zum Verhängnis wurde.

Der Film ist ganz im Stil der späten 1960er, frühen 1970er Jahre gehalten ,das heißt: bunt, poppig , ironisch, ein Film, der sich, was bei DDR-Produktionen ganz selten ist, nicht so ganz ernst nimmt. Oder um einen westlichen Kritiker zu zitieren, der dem Film gönnerhaft zugesteht: „Auch dank seiner künstlerischen Gestaltung ist dies wieder einmal eine DEFA-Produktion, über die zu diskutieren lohnt.“

– Eintritt frei –