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SUMMARY:Seenotrettung &amp\; Gesinnungswirtschaft
DESCRIPTION:Offener Brief an die Seenotretter und ihre Sympathisanten\n\nIh
 r werdet selbst nicht übertrieben stolz sein auf den menschlichen Anstand
 \, der euch vor einem Salvini auszeichnet – bei dem Vergleich! Ihr werde
 t selbst am besten wissen\, wie wenig euer Einsatz ausrichtet – bei der 
 Katastrophenlage im Mittelmeer und angesichts einer europäischen Flüchtl
 ingspolitik\, die kaum noch Rettungseinsätze zulässt. Und ihr kennt sich
 er alle Zweifel an eurer selbstgewählten Mission\, gegen die ihr auf jede
 n Fall das moralisch unschlagbare Wenigstens\, Sollen wir denn bloß zuguc
 ken?\, Immerhin ... auf eurer Seite habt.\n\nTrotzdem ein Aber von kommuni
 stischer Seite. Das nicht darauf zielt\, dass ihr lasst\, was ihr euch vor
 genommen habt. Sondern auf ein Urteil über die Welt\, in der politische H
 errschaften wie die demokratische deutsche das Sagen haben\, in der Katast
 rophen wie die der Flüchtlinge am und im Mittelmeer an der Tagesordnung s
 ind – und in der solche Initiativen wie die eure in der Sache einen ganz
  fatalen Stellenwert haben\, auch und gerade wenn ihr das überhaupt nicht
  wollt. Da stiftet die bürgerliche Herrschaft mit ihrem Regime über Welt
 markt und Staatenwelt Überlebensbedingungen\, zu deren Wirkungen Katastro
 phen gehören\, die jedes individuell zu bewältigende Maß weit überschr
 eiten\; herrschaftlich gesetzte Lebens- und Sterbensbedingungen eben – u
 nd es gehört zur inneren Ökonomie dieser Herrschaft einfach dazu\, dass 
 diese als Herzensangelegenheit betroffener Menschen rangieren. Dieselbe po
 litische Weltordnung\, die katastrophale Zustände schafft\, schiebt die K
 onsequenzen und den Umgang damit ab in die Sphäre der individuellen Moral
 \, macht faktisch eine Privataffäre daraus. Und wenn man den großen Huma
 nistinnen und Humanisten unter den maßgeblichen Machthabern der Welt zuh
 ört\, dann bekennen die sich auf ihre Weise auch genau dazu: Die verheere
 nden Konsequenzen des globalen Herrschaftssystems\, an dem sie professione
 ll mitwirken\, begleiten diese Damen und Herren routiniert mit der Beschw
 örung höchster Werte\, die da auf dem Spiel stehen würden. Und je höhe
 r der beschworene Wert\, desto kürzer der Übergang zum moralischen Anspr
 uch an „jeden Einzelnen“\, sich ganz persönlich\, am besten auch noch
  stellvertretend für die „eigene“ „reiche Nation“\, ein Gewissen 
 daraus zu machen\, dass da mal wieder die Humanität leidet. Dabei ist das
  Entscheidende: Dieser Abgang in die Welt der höchstpersönlichen Anstän
 digkeit ist nicht bloß ein regierungsamtlicher Zynismus\; der gehört unt
 rennbar zur bei uns herrschenden „christlich-abendländischen Leitkultur
 “ und ist deswegen auf jeden Fall viel populärer als die Bereitschaft z
 u einer begründeten Absage an die Gründe des ganzen Elends.\n\nIn der We
 lt der bürgerlichen Wohlanständigkeit gehört es sich ganz einfach so\, 
 dass die anständigen Einzelnen sich aus den brutalsten und gemeinsten Aus
 wirkungen der „globalisierten“ Lebensverhältnisse\, die die politisch
 en Mächte herbeiführen und von A bis Z perfekt durchorganisieren\, ein G
 ewissen machen\, so als hätte jeder Einzelne sich all das bestellt\, was 
 die politische Herrschaft\, der er gehorcht\, zielstrebig anrichtet\, und 
 all die Leichen zu verantworten\, über die die maßgeblichen Staaten mit 
 ihrer Weltordnung gehen.\n\nDazu: nicht zu einer bloßen Ideologie\, sonde
 rn zu dieser Art herrschaftlicher Inanspruchnahme des privaten Gewissens\,
  ist euer – menschlich hochanständiger – Einsatz zur Seenotrettung ei
 n Beitrag\; davon ist er ein Fall. Das ist er nicht\, weil ihr es so wollt
  oder weil ihr euch in irgendetwas täuscht\, sondern weil Politik und Lei
 tkultur der Staatsgewalten\, die die Welt gestalten\, so funktionieren\; w
 eil in dem System\, das diese Welt beherrscht\, genau das der wirkliche\, 
 objektive Stellenwert all der privaten Aktivitäten ist\, die aus moralisc
 her Betroffenheit erwachsen. Da helfen auch alle beherzten Anklagen nichts
 : Dieses System politischer Gewaltverhältnisse macht aus dem moralischen 
 Verantwortungsbewusstsein seiner Bürger\, das es ihnen praktisch beibring
 t\, sogar aus privater Empörung und empörter Aktion seinen Freispruch\, 
 seine Ermächtigung zum Weiter so!\n\nGegen diese Logik ist selbst ein Sal
 vini\, menschlich gesehen\, nur ein Hampelmann.\n\n&nbsp\;\n\nOffener Disk
 ussionstermin der AG Analyse &amp\; Kritik
CATEGORIES:Diskussion
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