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Datum/Zeit
Date(s) - 10/04/2018
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
FLA FLA Herford

Kategorien


Kulturelle Aneignung – das ist der (nicht mehr ganz so) neue Schrei der queer-Theorie und Praxis. Und Schrei ist an dieser Stelle ganz wörtlich zu nehmen, denn Kritik an Kultureller Aneignung bedeutet vor allen Dingen viel lautstarke Empörung und wenig Gesellschaftskritik. Dennoch meinen die Anhänger_innen letztere zu betreiben. Ethnische Segregation und der Respekt vor religiösen Gesetzen und patriarchalen Traditionen sollen als emanzipatorisches und antirassistisches Gegenmittel zu der angeblich aller Orten von Weißen betriebenen Kulturellen Aneignung verkauft werden. Dreadlocks auf weißen Köpfen und curry von weißen Händen zubereitet und als exotische Speise vertrieben, gelten hingegen als Ausdruck des Rassismus. An der Debatte um Kulturelle Aneignung lässt sich musterhaft nachvollziehen, wie eine Kritik, die antrat unsere strukturell rassistische Gesellschaft zu kritisieren und zu verändern, in ihr genaues Gegenteil, die Affirmation rassistischer Denkgebäude, umschlägt. An die Stelle von Empathie und Solidarität tritt die Forderung nach vollständiger Identifikation und Unterwerfung.

Ziel des Vortrags ist es, den Inhalt der Kritik an Kultureller Aneignung und insbesondere jenes Umschlagen ins Gegenteil nachzuvollziehen. Dies kann freilich nur gelingen, wenn die Kritik in ihrem gesellschaftlichen Kontext betrachtet wird und aus diesem heraus kritisiert wird. Welche Vorstellungen von Kultur, Widerstand und Geschichte manifestieren sich in der Aneignungskritik und was hast das mit der alltäglichen Zurichtung der Menschen im Kapitalismus zu tun? Schließlich soll gezeigt werden, wieso die Bejahung von patriarchalen Elementen in subalternen Kulturen nicht alternativlos im Kampf gegen Rassismus ist, weshalb die Durchsetzung von Eigentumsrechte für die Opfer selbst noch keine Kritik am Rassismus darstellt und warum das Festhalten am Individuum fernab von autoritären und kollektivistischen Vorstellungen die Bedingung für wirkliche Emanzipation ist.