BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
PRODID:-//wp-events-plugin.com//7.2.3.1//EN
TZID:Europe/Berlin
X-WR-TIMEZONE:Europe/Berlin
BEGIN:VEVENT
UID:2354@lilabi.net
DTSTART;TZID=Europe/Berlin:20190523T190000
DTEND;TZID=Europe/Berlin:20190523T220000
DTSTAMP:20190514T125814Z
URL:https://www.lilabi.net/events/die-politik-antwortet-auf-fridays-for-fu
 ture/
SUMMARY:Die Politik antwortet auf Fridays for Future
DESCRIPTION:Liebe Protestgemeinde!\n\n1. Dass die Zustimmung\, die euch in 
 der deutschen Öffentlichkeit und aus der Politik entgegenschlägt\, nicht
 s wert ist\, werdet ihr selber schon gemerkt haben. Ihr werdet beachtet 
 – und eingemeindet. Von Leuten und Instanzen\, die in einem ganz anderen
  als einem theoretischen Sinn ‚etwas zu sagen haben‘\; die nämlich mi
 t dem\, was sie sagen\, teils mehr\, teils weniger Macht ausüben – und 
 mit dem Gebrauch ihrer Macht für genau die Zustände sorgen\, gegen die i
 hr protestiert. Eingemeindet in eine öffentliche Debatte\, deren Irreleva
 nz für den praktischen Gang der Dinge ihr zur Genüge erfahrt.\n\nEs ist 
 nicht bloß die hohe Kunst der Heuchelei\, mit der ihr da – mal wieder 
 – Bekanntschaft schließen dürft. Bemerkens- und bedenkenswert an den v
 ielen heuchlerischen Grußadressen an euren Protest sind die Titel\, die G
 esichtspunkte\, die großen Werte\, unter denen ihr mit euren Demonstratio
 nen gut gefunden werdet. So großartige Leerformeln wie „die Zukunft“\
 , „unser Planet“\, „kein Planet B“\, „die Natur“\, „die Mens
 chheit“ etc. pp. sind nicht bloß dafür gut\, sie sind auch einzig und 
 allein dazu da\, über alle wirklichen Interessen und Interessengegensätz
 e hinweg eine ganz tiefe und eigentliche Einigkeit vorzuspiegeln: einen ü
 bergreifenden\, irgendwie verbindlichen gemeinsamen guten Willen. Der wird
  euch bescheinigt\, wenn man solchen Parolen wie „…weil ihr uns die Zu
 kunft klaut!“ applaudiert. Und damit wird euch unter der Hand ein ganz m
 ieses Tauschgeschäft angetragen: Großzügig wird anerkannt\, dass ihr es
  doch gut meint – gut eben im Sinne eines höheren\, unbezweifelbaren We
 rts –\; dafür beanspruchen die\, an und gegen die euer Protest sich ric
 htet\, ganz bescheiden die gleiche Anerkennung\, nach dem Motto: „So gut
  wie ihr meinen wir es auch/schon lange/sowieso…!“ (Und sie könnten s
 ogar anschließen: Wo habt ihr eure Parolen denn her – wenn nicht von un
 s: „Zukunft“\, „Menschheit“ und der ganze Rest!)\n\nDas kann man a
 lso aus dem positiven Echo auf euren Protest lernen: Die Ideale einer inta
 kten Welt\, für die ihr euch starkmacht\, sind nichts wert\, weil sie sic
 h über die wirklichen Machtinteressen und die damit verbundenen Gemeinhei
 ten vornehm erheben und eine Gemeinsamkeit im Guten beschwören\, die es n
 icht gibt – und die eben so hoch und vornehm und erhaben ist\, dass sie 
 von allen Seiten\, aus entgegengesetzten Positionen und von den feindlichs
 ten Parteien beschworen werden kann. Und auch beschworen wird\; denn darin
  liegt der Wert der höheren Werte.\n\nDas gilt entsprechend für das ande
 re Kompliment\, das ihr euch einhandelt: Ihr wärt die besorgte Jugend –
  politisch engagiert und viel besser als ihr Ruf: diese primitive Art der 
 Vereinnahmung braucht man euch wohl nicht erst zu erklären! – und hätt
 et mit der Forderung nach einer besseren Zukunft schon deswegen recht\, we
 il ihr noch viel mehr davon vor euch habt als die Alten\, denen ‚der Kli
 mawandel‘ nichts ausmacht\, weil sie mit einem Bein schon im Grab stehen
 . Man gibt euch recht\, nicht weil ihr ein wichtiges Anliegen habt\, das e
 ure Sympathisanten und überhaupt die allermeisten Menschen aus begründet
 em Eigeninteresse zusammen mit euch durchkämpfen sollten\, sondern weil m
 an euch als besondere Gruppe mit einem eigenen Anspruch auf Würdigung und
  Respekt anerkennt. Als ‚Schüler und Studenten‘\, als ‚die Jugend
 ‘\, womöglich als ‚Nachwuchs der Nation‘ lässt man euch\, wohlwoll
 end\, protestieren: als speziellen gesellschaftlichen Stand\, dem man – 
 so wie allen anderen – spezielle Interessen konzediert. Auch das ist ein
 e perfekte Abstraktion von der Sache\, für die ihr euch – nehmen wir an
  – starkmachen wollt.\n\n2. Von welchen wirklich herrschenden Interessen
  und real existierenden Machtverhältnissen auf die Art abgesehen wird –
  sei es im Namen großer fiktiver Gemeinschaftsanliegen\, sei es um eurer 
 respektablen Identität als ‚die Jugend‘ willen –\, das könnt ihr d
 em negativen Echo entnehmen\, das euch und eurem Protest ja auch nicht zu 
 knapp entgegenschallt. Natürlich strotzt das von reaktionärer Dummheit\;
  aber wenn es bloß das wäre! Wenn die Dame von der AfD euren Protest fü
 r unbeachtlich erklärt\, weil ihr noch nie eine Stromrechnung bezahlen mu
 sstet\, oder wenn der junge Mann an der CDU-Spitze\, gemeinsam mit den soz
 ialdemokratischen Oberlehrern der Nation\, euch ermahnt\, erst einmal flei
 ßig zu lernen\, bevor ihr ‚auf die Straße‘ geht\, dann könnt ihr me
 rken\, wie leicht der Ehrentitel ‚Jugend‘ – „Wir als Nachwuchs des
  Landes verdienen Gehör!“ – sich umdrehen lässt: Der ehrenwerte Stan
 d\, als der man beachtet werden will\, ist zugleich nur ein Stand unter vi
 elen\, hat seine Grenzen und außerdem seine vergleichsweise schwachen Sei
 ten\, kann also bestenfalls als eine Stimme unter vielen zählen und verdi
 ent allenfalls eine sehr bedingte Anerkennung. Wenn ihr dann zu hören kri
 egt\, dass es doch ‚auch‘ auf die Arbeitsplätze in der Kohle- und Aut
 oindustrie ankommt\, die durch konsequenteren Klimaschutz in Gefahr geriet
 en\, und auf die Konkurrenz mit anderen – natürlich noch viel schmutzig
 eren – Ländern\, in der die eigene Nation ohne rücksichtslose Industri
 epolitik ins Hintertreffen gerät\, dann ist das eine weitere sehr aufschl
 ussreiche Lektion. Nicht in dem Sinn\, dass man vor solchen Hinweisen stra
 mmstehen und die eigenen Interessen – und die Argumente\, wenn man welch
 e hat – gleich relativieren müsste. Zur Kenntnis nehmen sollte man stat
 tdessen\, mit welchen machtvollen Interessen und mit welchen Machtverhält
 nissen man sich tatsächlich schon dann anlegt\, wenn man es mit Einwände
 n gegen die fortschreitende Ruinierung ganz vieler natürlicher Lebensbedi
 ngungen auch nur ein bisschen ernster meint als die Prediger im Feuilleton
 . Dann bekommt man es nämlich nicht mit einer Unterlassung zu tun\, mit e
 inem mangelnden guten Willen der politisch und ökonomisch Verantwortliche
 n. Die machen selber deutlich\, und zwar mit ihrem „Nein!“ zu eurem Pr
 otest wie mit ihrem „Ja\, aber“\, dass die Welt\, für die sie ‚die 
 Verantwortung tragen‘\, über die sie also die Regie führen\, etwas gan
 z anderes ist als ein Stück missbrauchte oder vernachlässigte Natur. Nä
 mlich ein globaler Markt\, auf dem es in mehrfachem Sinn ums Geld geht\, e
 ingerichtet und aufrechterhalten durch Staaten\, die mit ihrer Gewalt – 
 in Konkurrenz gegeneinander\, deswegen manche mit überhaupt nicht umwelt-
  und klimafreundlichen Atomwaffen – für die dazu passende Ordnung Sorge
  tragen. Mit all den sachdienlichen Hinweisen aus berufenem Munde wird euc
 h doch erklärt\, welchen Stellenwert menschliche Interessen\, und zwar je
 glicher Art\, in diesem System haben.\n\n3. Ob ihr mit eurem Protest über
 haupt an dieses System rühren wollt\, darauf passt die zuständige öffen
 tliche Gewalt\, da könnt ihr sicher sein\, sorgfältig auf. Einstweilen m
 üsst ihr noch keine schlimmere Zurechtweisung erleben als den Rückverwei
 s in den Freitagsunterricht. Die nächste Eskalationsstufe lauert da aber 
 schon\, wird zum Teil auch schon angekündigt – und von einigen von euch
  offenbar auch schon defensiv vorweggenommen: Wenn es mit dem Protestieren
  nicht aufhört\, sondern\, Gott bewahre\, schlimmer wird\, dann setzt es 
 die Gewaltfrage. Das schöne freiheitliche Recht gibt genügend Gesichtspu
 nkte her\, um Proteste\, die auch nur entfernt auf Durchsetzung eines Anli
 egens zielen\, ganz praktisch\, nämlich mit hoheitlich monopolisierter Ge
 walt darauf aufmerksam zu machen\, dass die Durchsetzung\, welcher Anliege
 n auch immer\, ohne Wenn und Aber der öffentlichen Gewalt zu überlassen 
 ist. Also der politischen Herrschaft\, die den ganzen Laden so regelt und 
 erhält und stabilisiert und gegen Anfechtungen schützt\, wie er ist\, un
 d als das\, was er ist: eine mehrstufige Konkurrenzschlacht um Macht und G
 eld.\n\nDas ist freilich ein anderes Thema. Eines\, das über die Sache mi
 t dem Klima deutlich hinausgeht. Um das man als aufrechter Klimaschützer 
 aber auch nicht ganz herumkommt. Außer man lässt sich vereinnahmen\, von
  den Profis dieser Konkurrenz\, die sich für ihre Sache so gerne mit ein 
 bisschen jugendlichem Idealismus schmücken.\n\nP.S.: Mit eurem Protest am
  24. Mai wollt ihr für die Beteiligung an den Europawahlen mobilisieren. 
 Ihr wisst nämlich\, dass in der Demokratie\, in der ihr lebt\, neben alle
 n möglichen erlaubten und als solchen von der Politik für belanglos erkl
 ärten Formen der Meinungsäußerung – z. B. den Protesten\, die ihr ver
 anstaltet – genau eine Form wirklicher politischer Einmischung der münd
 igen Staatsbürger vorgesehen ist: die Wahl. Das veranlasst euch dazu\, eu
 er Anliegen\, für das ihr mit euren Protesten und Demonstrationen bei der
  Politik nichts erreicht\, zur eigentlichen „Bedeutung der Europawahl“
  zu erklären. Und ihr erklärt es für eine sträfliche Vernachlässigung
  dieser Möglichkeit wirklichen Einflusses auf die Politik\, wenn – wie 
 beim letzten Mal – nur 43 % der Leute von ihrem Wahlrecht Gebrauch mache
 n.\n\nNur: Stimmt es denn\, dass die hohe Wahlbeteiligung\, die ihr von de
 nen verlangt\, die im Unterschied zu vielen von euch immerhin wählen dür
 fen\, auch zu einer Wende der europäischen Politik führen würde oder ga
 r müsste? Ihr wisst doch: Wie immer bei einer Wahl\, kann man auch am 26.
  Mai 2019 nur zwischen dem auswählen\, was zur Wahl steht. Hat die Politi
 k etwa etwas anderes als die personelle Neubestückung ihres Parlamentes a
 ngesetzt? Eine Klimawahl womöglich – Weltuntergang JA oder NEIN\, bitte
  ankreuzen? Habt ihr überhaupt mitbekommen\, was nach Auskunft der konkur
 rierenden Parteien und Politiker\, die um die Stimmen ihrer Bürger werben
 \, in dieser „Richtungs- und Schicksalswahl“ für die Zukunft Europas 
 auf dem Programm steht? Soll man jetzt helfen\, die „Antieuropäer und P
 opulisten“ aus dem Parlament zu werfen? Um dafür ihre proeuropäischen 
 Widersacher hineinzuhieven\, die Europas Zukunft v. a. durch einen Mangel 
 an europäischer Konkurrenzfähigkeit auf allen Feldern von der Genforschu
 ng bis zur Ausrüstung mit atomar getriebenen Flugzeugträgern gefährdet 
 sehen? Und die seit Jahrzehnten genau die Umwelt- und Klimapolitik betreib
 en\, gegen die sich Woche für Woche euer Protest richtet?!\n\nMit einer d
 erart emphatischen und noch dazu gratis erfolgenden Wahlwerbung von Jugend
 lichen und jungen Erwachsenen schmücken sich die konkurrierenden Politike
 r sicher gerne. Die selbst legen ja permanent sehr viel Wert darauf und ih
 ren jungen und alten Bürgern nahe\, die Machtfragen bezüglich der Zukunf
 t ihres imperialistischen Staatenbündnisses mit den besten vorstellbaren 
 Menschheitsanliegen\, egal welchen\, zu verwechseln.\n\nGegen diese Verwec
 hslung\, für die ihr von denen sicher wieder mit ganz viel Umarmungen und
  Glückwünschen bedacht werdet\, setzen wir den kritischen Ratschlag\, di
 e politischen Interessen\, die die europäischen Staaten mit- und gegenein
 ander verfolgen und die schönen Titel\, mit denen sie diese Interessen eu
 ch und allen Bürgern bei der Wahl ans Herz legen\, mal ein bisschen ausei
 nanderzuhalten. Und außerdem\, die vielen Abfuhren\, die ihr bekommt und 
 die praktische Irrelevanz eures Protestes als von oberster Stelle erteilte
  politische Zurückweisung ernst zu nehmen und nicht wieder nur als Mangel
  an ausreichend gutem Willen und Entschlossenheit der Politiker misszuvers
 tehen\, sich für eure\, also auch ihre gute Sache einzusetzen. Lieber sol
 ltet ihr das als Anlass nehmen\, euch zu fragen\, worum es bei der Europap
 olitik tatsächlich geht.\n\nAuch darüber wird also beim Diskussionstermi
 n der AG Analyse &amp\; Kritik zum öffentlichen Echo auf #FridaysforFutur
 e zu reden sein.
CATEGORIES:Diskussion
LOCATION:\, \, 
X-APPLE-STRUCTURED-LOCATION;VALUE=URI;X-ADDRESS=\, ;X-APPLE-RADIUS=100;X-TI
 TLE=:geo:0,0
END:VEVENT
BEGIN:VTIMEZONE
TZID:Europe/Berlin
X-LIC-LOCATION:Europe/Berlin
BEGIN:DAYLIGHT
DTSTART:20190331T030000
TZOFFSETFROM:+0100
TZOFFSETTO:+0200
TZNAME:CEST
END:DAYLIGHT
END:VTIMEZONE
END:VCALENDAR