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Datum/Zeit
Date(s) - 15/07/2018
13:00 - 18:00

Veranstaltungsort
Rasenplatz hinter der Universität Bielefeld

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Anstatt im Deutschlandtrickot vorm Fernseher zu hängen oder auf der Fanmeile Fahnen zu schwenken treffen wir uns zum antinationalen Fussball spielen. Bildet Teams oder kommt gerne auch als Einzelpersonen. Fussball statt Deutschland!

Treffpunkt: Rasenplatz hinter der Universität Bielefeld
Anmeldung ab 13 Uhr, Beginn 13:30 Uhr.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kamagne „Platzverweis – Deutschland die rote Fahne zeigen!“ organisiert von der Antifa AG der Universität Bielefeld, der AG Freie Bildung und der Antinationalen Linke Bielefeld [ALIBI].

Platzverweis – Deutschland die rote Fahne zeigen!

Im Juni ist es wieder soweit: Die Fußballweltmeisterschaft steht vor der Tür. Fanmeilen, Bier, Bratwurst und Deutschlandfahnen soweit das Auge reicht. Ein ganzes „Volk“ liegt sich in den Armen und feuert wie selbstverständlich „unsere Jungs“ an. Nichts gegen qualitativ hochwertigen Sport, leckeres Essen, Bier und gute Laune. Es sollte sich allerdings die Frage gestellt werden, was das für eine Sache ist, die Menschen während der WM jubelnd auf die Straße – oder mit Deutschlandshirt ins Großraumbüro – treibt.

Dass dabei vor allem die nationale Zusammengehörigkeit gefeiert – und eben nicht einfach nur Fußball geguckt wird – , macht allein die Tatsache deutlich, dass die Entscheidung, welches Team angefeuert wird, schon lange vor der Bekanntgabe des Trainers, der Sportler oder der Austragung der ersten Spiele, fest steht – es ist immer das deutsche Team. Die unerschütterliche Parteilichkeit für Deutschland, der bedingungslos positive Bezug auf die eigene Nation, mündet letzten Endes auch in der Parteinahme für die deutsche Elf. Die Identifikation mit der deutschen Nationalmannschaft ist also Ausdruck von Nationalismus. Damit
ist sie zugleich auch Ausdruck der Identifikation mit allen anderen
Menschen, die bloß der gleichen Herrschaft unterworfen sind, nämlich die Unterordnung unter die Gewalt der BRD. Die Masse der Deutschen könnte in ihrer Lebenslage jedoch kaum unterschiedlicher sein. Ihre einzige Gemeinsamkeit, die Mitgliedschaft im Club der deutschen Staatsangehörigen, drückt sich bloß in einem Plastikkärtchen in ihrem zumeist kargen Geldbeutel aus.

Obwohl das gemeinsame kulturelle Erbe der Deutschen immer wieder beschworen wird, hat die bayrische Weißwurstesserin wenig mit der norddeutschen Holzschuhträgerin gemeinsam. Der viel tiefer liegende Unterschied in den Lebenslagen der PersonalausweisbesitzerInnen ist allerdings ein anderer: Der Chef, der am Abend zuvor mit seinen Angestellten auf der Fanmeile anstößt, handelt am nächsten Tag trotzdem wieder im Profitinteresse des Unternehmens zu Ungunsten seiner Angestellten, ganz gleich, ob sie im Deutschlandshirt zur Arbeit im
Großraumbüro erschienen sind. Denn die Interessen von Chefs und LohnarbeiterInnen stehen sich grundsätzlich feindlich gegenüber. So wollen die Unternehmen Arbeit, die möglichst produktiv für sie ist, also Arbeit, die möglichst günstig, lang und intensiv ist. Die LohnarbeiterInnen hingegen wollen genau das Gegenteil: Arbeit die möglichst erträglich, gut bezahlt und kurz ist. Die sich widersprechenden Interessen resultieren aus der unterschiedlichen Stellung von Chefs und LohnarbeiterInnen im Produktionsprozess. Die einen besitzen die Produktionsmittel in Form von Maschinen, Grundstücken und Geld, die anderen hingegen haben nichts, außer ein leeres Konto und müssen sich deshalb einen Job suchen, um so über die Runden zu kommen.

Der Nationalismus, die Ideologie der versöhnten Staatsangehörigen, verschleiert diesen fundamentalen Interessengegensatz. Die WM ist einer der wenigen Momente, an denen sich die Lüge des nationalen „Wir“, der Gemeinsamkeit aller Deutschen, praktizieren lässt. So dient die Auslebung des Nationalismus einzig und allein der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Schweinesystems und damit allen *Ängsten und Nöten, die es beständig erst hervorruft.

In diesem Sinne:

La dolce vita statt Deutschlandfieber!